(Ein Reisebericht von Ralph Hoffmann)
Im Jahr 1990 erzählte mir ein Kunde von der unglaublichen Pflanzenwelt in Madagaskar und von der einzigartigen Natur, die dort noch im Urzustand anzutreffen ist. Im Winter fand dann die erste Reise in dieses Naturparadies statt und damit begann eine lange, erfolgreiche Geschichte die mich mit Madagaskar verbindet
Im folgenden Jahr begab ich mich mit dem berühmten Sukkulentenforscher John Lavranos und meinem Reisepartner Walter Röösli auf meine erste Forschungsreise. In den zwei Monaten entdeckten wir auf Madagaskar auf unglaubliche Weise eine Pflanzen-Neuheit nach der anderen. Unser Motto war so einfach wie klar: Wir versuchen das Unmögliche – wir suchen uns eine unbekannte Ecke dieser riesigen Insel aus und versuchen da die Berge, Wälder und Savannen zu erkunden. In den folgenden 20 Jahren waren wir dann jeden Winter für mehrere Wochen unterwegs und erlebten die unglaublichsten Abenteuer. Oft waren wir die ersten weissen Menschen, die die Einheimischen zu Gesicht bekamen, und wir kamen uns vor, als ob wir einen neuen Planeten betreten würden.
Im Jahr 2000 beschlossen wir, einen Pass zu überqueren, den Col d’Itremo. Auf der Passhöhe sind wir dann zu Fuss ins Massiv eingetaucht, eine Welt aus massiven Quarzgesteinen mit einer Flora, die an unsere Alpen erinnerte. Nur dass die Pflanzen alle sukkulent sind, also einen Wasserspeicher besitzen, um die Trockenzeit zu überstehen. Nach stundenlangem Marsch, als wir uns erschöpft an einem Felsen zur Pause hinsetzten, strahlte eine kleine orange Blüte aus den Felsen: Siehe da, eine unbekannte Aloe! Da wir im Besitz aller Lizenzen zum Sammeln und Herbarisieren waren, konnten wir die Art aufsammeln und einige Exemplare sicherstellen. Die „Cites- Artenschutzbehörde“ unterstützte uns dazumal bei unserem Projekt, rare und aussterbe Arten zu retten und zu vermehren.


Die Idee, Pflanzen in der Natur zu retten und sie in Zürich zu vermehren, war ein grosser Erfolg und wir belieferten alle botanischen Gärten, von Tokyo über Moskau bis Kalifornien mit den seltensten Pflanzen aus Madagaskar.
Die entdeckte Aloe entpuppte sich tatsächlich als eine eigenständige Art und Dr. John Lavranos beschrieb diese nach dem Entdecker, Aloe hoffmannii. Es folgten im Laufe der Zeit sehr viele neue Arten, wir hatten immer wieder das Glück der Entdecker und wir wurden zu den absoluten Koryphäen im Bereich der Sukkulenten Madagaskars. Zu den Neuentdeckungen kamen eine Uncarina, getauft nach der Stadt Zürich, Uncarina turicana, oder mehrere neue Pachypodien- Arten, wie das erste, Pachypodium inopinatum.
Diese Art bekam den Namen, „das Unerwartete“, denn seit über 80 Jahren wurde kein neues Pachypodium mehr entdeckt und diese Gattung Pachypodium ist die Königsgattung von Madagaskar. Während unserer Reisen bauten wir eine riesige Sammlung auf, es folgte ein Projekt zur Nachzucht von raren Pflanzen, unterstützt von der Grün Stadt Zürich, der Sukkulentensammlung und der Artenschutzbehörde. Final ging die Sammlung dann an die Grün Stadt Zürich über, die dafür ein eigenes Gewächshaus in der Stadtgärtnerei errichtete.
